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Ich durfte früh Verantwortung übernehmen

Benedict Gross über seine Erfahrungen in Ettal

Ich hatte viele Interessen, als ich mit Zehn nach Ettal kam.
Schulisch waren wenige davon.

Mit einer bemerkenswerten Hingabe versuchten mir beispielsweise eines Nachmittags der damalige Schuldirektor Pater Angelus und mein Erdkundelehrer Franz Kümmerle den Sinn zu erklären, sich als Schüler mit der Entstehung von Winden, Wolken und Wetter zu beschäftigen – was ich wohl kategorisch ablehnte weil irrelevant, so meinte ich. Noch oft habe ich seitdem an diesen Nachmittag gedacht, beispielsweise beim Segelkurs, oder als ich mich als Student am geographischen Institut wiederfand und jedes Mal, wenn ich heute jemandem Inhalte vermitteln möchte. Im Nachhinein glaube ich, dass ich an diesem Tag eine praktische Lektion in Bildung genossen habe, die nur funktioniert, wenn man den zu Bildenden ernst nimmt und sei es auch ein trotziger Achtklässler.

Die sehr vielen Interessen wurden nicht weniger, sondern mehr während meiner Zeit in Ettal. Schnell entdeckte ich die Aula und die Gruft (den Partykeller des Internats) als Aufgaben und machte sie zu meiner Mission, neben dem analogen Fotolabor, sowie damals brandneuen digitalen Bildbearbeitungsprogrammen, der Tutorengruppe und all den spannenden Dingen, die Jungs im angrenzenden Wald aus Holz zimmern oder mit Wasser aufstauen konnten. Mit den Elektrikern und Schreinern der Klosterwerkstätten war ich bald per Du.

So habe ich um die Schule herum viel Konkretes gelernt und durfte früh Verantwortung für meine Ideen und deren Realisierung übernehmen. Von heute aus betrachtet war das sehr wichtig für mich und hat meinen Werdegang nachhaltig geprägt. Möglich war das, weil ich in Ettal in einem Umfeld unendlicher Möglichkeiten aufgewachsen bin, mich dabei an starken Personen und Positionen messen konnte, aber immer behütet wurde von Lehrern und Erziehern, deren Blick für die Ausbildung von jungen Menschen nicht an den Toren der Schule endet.


Benedict Gross2Benedict Gross

hat 2001 sein Abitur in Ettal gemacht. Nach Studiengängen in Wirtschaftsrecht, Katastrophenmanagement und Psychologie arbeitet er heute als Projekt- und Krisenmanager.